Stiftungen: Dagmar Westberg - bedeutende Frankfurter Stifterin und Mäzenin

Thema: Stiftung

Großzügiges Wesen

Ihre Großzügigkeit hat sie lange jung erhalten: Dagmar Westberg war eine bedeutende Frankfurter Stifterin und Mäzenin. Im Januar 2017 ist sie im Alter von 102 Jahren verstorben.

Daniel Hoster - Mitglied der Geschäftsleitung Private Wealth Management

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Herr Hoster, wer war Dagmar Westberg? Sie kannten Sie persönlich…
Ja, ich habe sie insbesondere die letzten Jahre begleiten dürfen. Dagmar Westberg war eine Philanthropin, eine Menschenfreundin. Ihr Lebenswerk bestand darin, anderen zu helfen und sie an ihrer Lebensfreude teilhaben zu lassen.

Woher hatte Frau Westbergs ihr menschenfreundliches Wesen?
Frau Westberg stammte aus einer bedeutenden Unternehmerfamilie. Diese Idee, auch gesellschaftliche Verantwortung wahrzunehmen, hatten schon ihre Vorfahren verfolgt, sie war ihr gewissermaßen in die Wiege gelegt.

Aus welchen Motiven errichten Menschen eine Stiftung?
Gesellschaftliche Mangelsituationen zu erkennen, wie im Fall von Frau Westberg, ist sicher ein Hauptantrieb. Also Verantwortung, begleitet von dem Wunsch, der Gesellschaft etwas zurückzugeben. Dem widerspricht nicht im Geringsten der Gedanke, dass sich der Stifter in der nach ihm benannten Stiftung ein Denkmal setzen kann und auf diese Weise über sein Ableben hinaus wirkt und im Gedächtnis der Menschen präsent bleibt.

Unter Stiftern finden sich überdurchschnittlich viele Unternehmer…
Ja, und das ist auch nachvollziehbar. Wie gebe ich meiner Familie eine Identität, wie schaffe ich einen Zusammenhalt über das anstrengende Tagesgeschäft und auch über manchmal gegensätzliche Interessenlagen hinaus? Solche Fragen stellen sich besonders Unternehmern. Eine Stiftung kann hier im ursprünglichen Wortsinn sinnstiftend sein.

Welche Zwecke kann eine Stiftung verfolgen?
Wissenschaft, Bildung, Kunst, Kultur, soziale Zwecke… es gibt nichts Gutes, was sich nicht durch das Instrument Stiftung fördern ließe. Völlig frei ist der Stifter jedoch nicht. Denn eine gemeinnützige Stiftung ist eine steuerbegünstigte Rechtspersönlichkeit, ihre Satzung muss von der Stiftungsbehörde genehmigt werden. Nachträgliche Satzungsänderungen sind aufwendig; und das ist gut so, denn es geht ja auch darum, den Willen des Stifters zu respektieren, wenn die Person des Stifters einmal nicht mehr da ist.

Was sind die ersten Schritte, wenn ich eine Stiftung errichten möchte?
Wollen Sie eine gemeinnützige Stiftung errichten oder eine Familienstiftung, deren Zweck in erster Linie der Erhalt Ihres Unternehmens oder Ihres Vermögens ist? Gibt es einen Stiftungszweck, der unter Umständen ideal zur DNA Ihrer Familie passt? Wie soll der Stiftungszweck umgesetzt werden: eigenständig oder eher durch Förderung fremder Projekte? Wie finanziert sich die Stiftung: aus den Zinsen ihres Kapitalstocks, sollen Zustiftungen ermöglicht werden oder soll sich die Stiftung über Fundraising, also das Einwerben von Spenden, finanzieren? Mit wem besetzen Sie die Gremien: Hier sind Fachleute gefragt, aber auch Personen mit Menschenkenntnis und Sinn für den Stiftungszweck. Diese und viele andere grundlegende Themen sollten Sie mit kompetenten Beratern erörtern.

Was kann die BHF-BANK für Stifter tun?
Die Berater unserer Stiftungsabteilung haben das notwendige juristische Know-how und sie haben viel praktische Erfahrung beim Aufsetzen und beim Begleiten von Stiftungen. Als Unternehmerbank ist zudem das Verständnis für die Anforderungen von Unternehmern in unserem Haus besonders stark ausgeprägt. Schließlich ist die sehr sensible Anlage des Stiftungsvermögens eine der über Generationen historisch gewachsenen Kernkompetenzen der BHF-BANK.

 


Dagmar Westberg, 1914 in Hamburg geboren und aufgewachsen, war eine der bedeutendsten Förderinnen Frankfurter Kunst und Kultur. Was Mäzenatentum heißt, lernte sie in ihrer Familie kennen. Ihr Großonkel Oskar Troplowitz vermachte der Hamburger Kunsthalle Hauptwerke französischer und deutscher Malerei des 19. und 20. Jahrhunderts. Sein Vermögen erwarb der Unternehmer durch Produkte wie Leukoplast, Hansaplast, Tesa-Klebeband und Nivea-Creme.

In hohem Alter blickte Dagmar Westberg mit Dankbarkeit auf ihr langes Leben zurück. Die nach ihr benannte Stiftung fördert kulturelle Zwecke und sie unterstützt unverschuldet in Not geratene Menschen. Besonders schlug ihr Herz für die Musik und für die schönen Künste. Das Frankfurter Städel verdankt ihr das Triptychon des „Meisters der von Grooteschen Anbetung“ und das um 1615/16 entstandene Gemälde „Der Heilige Jakobus der Ältere“ von Jusepe de Ribera (1591–1652) sowie grafische Werke von Carl Spitzweg, Max Klinger, Max Beckmann, Henri Michaux, Paul Morrison und Tacita Dean.


Daniel Hoster ist Mitglied der Geschäftsleitung des BHF Private Wealth Managements. Er wurde von der Stifterin persönlich mit Wirkung vom 1. Januar 2017 zum Vorstandsvorsitzenden der Dagmar-Westberg-Stiftung bestellt.

 

 

 

Foto Frau Westberg: Städel Museum, Frankfurt am Main